Der Wein aus Rheinhessen und seine Region



Die Region Rheinhessen

Die Region Rheinhessen

Rheinhessen hat eine wechselvolle Geschichte, was sich an Funde aus allen geschichtlichen Perioden zeigt. Aus prähistorischer Zeit sind die Weinheimer Trift bei Alzey, der Urrhein bei Eppelsheim – das so genannte „Dinotherium“ und das Brandungsriff bei Eckelsheim bekannt. Weiterhin finden sich steinzeitlichen Gräberfeldern bei Flomborn, keltische Schatzfunde bei Planig und römische Tempel und Theater in Mainz. Zu erwähnen sind auch das fränkischen Fürstengrab von Flonheim und die kulturhistorisch wichtigen romanischen Kaiserdome in Mainz und Worms.

Als Durchzugsgebiet hat Rheinhessen viele Einflüsse und Völkerschaften erlebt. Der Dramatiker Carl Zuckmayer brachte dies in seinem bekannten Werk „Des Teufels General“ zum Ausdruck, als er das Gebiet als "Kelter Europas" bezeichnete. Unter den vielfältigen Einflüssen besonders hervorzuheben ist, die lang andauernde jüdische Besiedlung, deren Spuren besonders eindrucksvoll in Worms mit dem ältesten Judenfriedhof Europas und der bald tausendjährigen Synagoge, zu finden sind. Heute sind diese Kulturschätze aufbereitet und ein beliebtes touristisches Ziel.

Rheinhessen entstand unter diesem Namen nach 1815, als die politisch stark zersplitterte Region erstmals vereinigt und dem Großherzogtum Hessen zugeschlagen wurde. Das Gebiet blieb bis 1918 beim Großherzogtum Hessen, dann bis 1945 beim Volksstaat Hessen. Durch die Grenze zwischen französischer und amerikanischer Besatzungszone wurde es von Hessen getrennt und war ab 1947 einer von fünf Regierungsbezirken des neu geschaffenen Bundeslands Rheinland-Pfalz. Es umfasst die kreisfreien Städte Mainz und Worms sowie die Landkreise Alzey-Worms und Mainz-Bingen. Geographisch wird das Land vom Fluss Nahe und zwischen im Norden und Osten durch den großen Rheinbogen umschlossen. Rheinhessen erstreckt sich über eine Fläche von rund 1.400 km² zwischen Landeshauptstadt Mainz und den Städten Alzey, Bingen und Worms. Weitere größere Orte in der Region sind Ingelheim am Rhein, Nierstein und Oppenheim. Durch seine geschützte Lage von Hunsrück, Taunus, Odenwald gehört Rheinhessen zu den wärmsten und trockensten Gebieten Deutschlands, was den Wein- und Obstanbau begünstigt. Durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung ist die Landschaft am Rheinbogen das am geringsten bewaldete Gebiet in ganz Deutschland und weist ein trockenes, regenarmes Klima auf.

Für Besucher, die im Wandern auf ruhigen Pfaden Entspannung finden, bietet das rheinhessische Land eine Besonderheit – die Hohlwege. In Alsheim wandert man zwischen meterhohe Flößwände entlang, die sich durch das Jahrhunderte lange Wirken des Menschen herausgebildet haben. Auf engstem Raum hat sich eine faszinierende Lebensgemeinschaft von Tieren und Pflanzen herausgebildet, die in dieser Vielfalt ihresgleichen sucht. Auf den verborgenen Pfaden können äußerst seltene Pflanzen wie der Elsässer Haarstrang oder weiß blühende Anemonen entdeckt werden. Gerade im Frühling lohnt sich der Gang durch das faszinierende Stück Erdgeschichte. „WEIN. WIND. STILLE.“ ist das Motto der sechs Routen, die das einzigartige Alsheimer Hohlwegenetz mit einer Gesamtlänge von über 30 km erschließen. Farbige Infotafeln weisen den Weg und schärfen den Blick auch für die kleinen Besonderheiten.

Eine weitere, häufig genutzte Besonderheit Rheinhessens ist der bekannte Pilgerpfad des Jakobus, auch unter dem Namen „Jakobsweg“ bekannt. Ziel ist das Grab des Apostels Jacobus im spanischen Santiago de Compostella. Der Weg dorthin führt über ein Weggeflecht durch ganz Europa. Ein erstes Teilstück dieses Pilgerweges wurde zwischen Dittelsheim-Hessloch und Worms-Herrnsheim auf einer Länge von rund 14 km Länge rekonstruiert. Eine weitere Wegstrecke schließt sich nach Süden in das Zellertal entlang des Pfrimmtales an. Der alte Pilger- und Marktweg ist damit auf eine Gesamtlänge von ca. 35 km durchgängig begehbar. Wer den Weg vom Herrnsheimer Schloss in Richtung Süden wählt, den führt die blaue Muschel – das Zeichen des Pilgerweges - in die Stadt Worms und weiter Richtung Pfälzer Wald.

Das Land zwischen Mainz, Worms, Alzey und Bingen präsentiert ein beachtliches Kulturangebot und lockt mit immer neuen Experimenten sowohl auf den Bühnen der Stadt als auch in den Weingewölben der Winzer. Beliebte Veranstaltungen sind z.B. das Sektfest am Höfchen, die Frühjahrsparade des Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter Rheinhessen im Kurfürstliches Schloss Mainz, die Mainzer Johannisnacht, der Mainzer Weinmarkt, das Weinforum Rheinhessen im Museum für Antike Schifffahrt und das Weinfest im Hechtsheimer Kirchenstück. Seit 1978 findet der „Ball des Weines“ des Veranstalters Tanz-Club Rot-Weiß Casino Mainz statt.

Und wenn Ihnen jemand im rheinhessischen Dialekt „Weck, Worscht un Woi“ anbietet, langen Sie getrost zu. Mit diesem deftigen „ganzjährigen Nationalgericht“ können Sie nichts falsch machen.